Tamara Amhoff-Windeler hat in diesem Bildband mit ihrem Blick und ihrem
künstlerisch - ästhetischen Verständnis Fotografien der verschiedensten
Ansichten von Paaren geschaffen. Die Fotografie der Paare von Tamara
Amhoff-Windeler ist modern, realistisch und mit einem hohen Anspruch an
Ästhetik fotografiert sehr minimalistisch, mit wenig Dekor. Die Paare
sind es, die stets der Mittelpunkt des Geschehens sind. Die
Persönlichkeit, das Charisma des einzelnen ist oft der Schlüssel zur
Sinnlichkeit und Erotik des Duos oder Trios. Die Fotografin zeigt mit
ihrer Bildsprache Humor und Sensibilität zu diesem Thema. Sie ist
bereit, ihre eigene erotische Komponente zu offenbaren. Die emotionale
Qualität ihrer Bilder schafft es, den Betrachter mitten in das Thema
two by two hineinzuziehen.Vorwort: two by two, Wir und Du
Eine Annäherung an die Fotografien von Tamara Amhoff-Windeler
Solange der Mensch Kunst macht, ist er sein eigenes
Thema. Und damit fing er, auf hohem Niveau, sehr viel früher an, als
sich um Wirtschaftssysteme zu kümmern. Das hat sich nie geändert, das
wird sich nie ändern. Worauf es ankommt, ist die jeweils neue
Interpretation aus der Zeit und dem eigenen künstlerischen Blickwinkel
heraus. Der Akt ist in Malerei und Skulptur, also auch in der
Fotografie, die Gattung, die vom Prinzip her die "wesentlichste" ist -
Kleidung als Verkleidung und als zeitgebundenes Drumherum entfällt
(oder doch weitgehend), es findet eine Erkenntnis fördernde Rückführung
auf das Wesen statt. Natur und Natürlichkeit, Körper und
Körperlichkeit, Erotik und Botschaften der Seele kommen ins Spiel. Gilt das für die einzelne Figur, so gilt das um so mehr für
Darstellungen von Paaren, denn hier wird das künstlerische,
kommunikative Spiel auf eine höhere Stufe gehoben. Hier ist Austausch
zwischen den Paaren ebenso wie zwischen ihnen und dem Betrachter. Auch
die Beziehung Ich (Modell) - Du (Betrachter) ändert sich zumindest in
ein Wir - Du. Das hat nichts Unartiges an sich, denn eine alltägliche
Kommunikationssituation findet nur in einem anderen, vielleicht nicht
ganz so alltäglichen Zusammenhang statt - und verweist doch, als Folge
der ästhetischen Ordnung auf das Überpersönliche, das ewig Universelle.
So könnte man sich der fotokünstlerischen Arbeit von Tamara
Amhoff-Windeler nähern, besonders ihrer two by two -Serie mit Fotos von
Paaren. Das erste, was auffällt, ist der konzeptuelle Antivoyeurismus,
selbst dann, wenn es um erotische Anmutungen geht. Das zweite: der
Humor, eine unschuldige, eine spielerische Fröhlichkeit. Das dritte ist
vielleicht die unbändige Lust zu zitieren, quer durch die Kunst- und
Fotogeschichte. So manches, was in kommerziellen Zusammenhang mit
kalkuliertem Ernst daherkommt, wird hier augenzwinkernd inszeniert und
dadurch wieder ansehnlich gemacht. Tamara Amhoff-Windeler liebt die große Linie, das große
ästhetische Zeichen im Bild. Das fördert das, was man Bildlichkeit
nennen mag: Transzendierung des Abbildlichen durch Form. Sie rückt die
Modelle nahe an uns heran - manchmal merken wir es durch einen kleinen
Ausschnitt, der eine Szene als Ausschnitt definiert - hier öffnet sich
eine partizipatorische Dimension, aber nur in der Betrachtung, denn
realiter ist hier kein Bühnenstück im Gange, sondern ein Bild gemacht. Die Fotokünstlerin dreht und spiegelt und wiederholt und
zeigt so ein reiches Repertoire in der Formensprache. Diese setzt sie
aber nicht gleichsam abstrakt ein: Motiv und Form stützen sich
gegenseitig. Auch das Spektrum der Emotionen ist alles andere als
eingeschränkt. Hier wird gelacht, dort nachgedacht, hier die Rolle der
Verliebten gespielt, dort die Spannung zwischen Kühle und
Leidenschaftswillen ausgelotet. Formal wie motivisch ist das
Ganze ein höchst anregender, kunsthistorisch mitreflektierter Ritt
durch die Kulturgeschichte der Geschlechterbeziehungen, von der Schule
von Fontainebleau zum Mythos des steinzeitlichen Frauenräubers, vom
Karneval in Venedig zur modernen Form des weiblichen Narziss mit
Erinnerungen an den Spiegel im Bilde bei Rubens Co. Ja, und wenn dann
der aufragende Arm als Mittelachse eines Bildes den Blick auf das
verwehrt, was hinter ihm vorgeht - ein Kuss - ,dann mag das symbolisch
einstehen für das Werk von Tamara Amhoff-Windeler insgesamt: Wir sehen
nicht was wir sehen, was ist, muss uns die ästhetische Reflexion
erschließen, so war das schon immer mit der Kunst.
von Elmar Krekele Leiter der literarischen Welt, Berlin 128 Seiten Format: 24,5 x 30 cm Sprachen: Deutsch/Englisch
Preis OHNE Optionen 19,90 EUR inkl. Mwst